Der Monte Bello 2019, aus dem Fass verkostet, ist geradezu überwältigend schön. Lebendig, tiefgründig und voller pulsierender Energie bringt der 2019er schlicht alles mit. Wie wird er sich nach der Abfüllung entwickeln? Das lässt sich noch nicht abschließend sagen. Doch selbst diese Fassprobe, die quer durchs Land verschickt wurde, ist ausgesprochen beeindruckend – das enorme Potenzial des Weins ist damit offensichtlich. Der 2019er zeigt eine hervorragende Fruchtdichte, eine mittelgewichtige Struktur, lebendige Säure und reichlich Tannin. Er könnte sich sehr wohl zu einem epischen Wein entwickeln.
Der Monte Bello 2019 enthält 9 % Merlot, 8 % Petit Verdot und 1 % Cabernet Franc. In der Nase zeigt er sich ausgewogen und anmutig, mit frischem Salbei und Flieder sowie herzhaften, fleischigen Aromen im Hintergrund. Am Gaumen ist er mittelgewichtig, besitzt jedoch bemerkenswerte Substanz und Konzentration und mündet in ein dynamisches Finale mit Bleistiftmine, Kies und einer angenehm erfrischenden Säure. Der für Monte Bello typische Ausbau in neuer amerikanischer Eiche benötigt noch Jahre, um sich vollständig zu integrieren, was sich in der kräuterigen, straffen, dabei jedoch angenehmen Struktur des Finales zeigt. Dies ist eine selbstbewusst elegante, fein akzentuierte Interpretation dieses ikonischen Weins, die sich über die kommenden drei Jahrzehnte hervorragend entwickeln und trinken lassen dürfte.
Dies ist ein äußerst kraftvoller Monte Bello mit Aromen von Johannisbeeren und Brombeeren, schwarzer Lakritz und geräuchertem Fleisch. Dazu Minze und etwas Sesam. Vollmundig, mit einer unglaublichen dunklen Aromatik und einer markanten Salzigkeit, die an vulkanisches Salz erinnert. Umami, dazu Anklänge von gegrilltem Seetang. Intensiv, geschmacksreich und fesselnd. Der Nachhall hält minutenlang an. Am besten ab 2025, doch dieser Wein dürfte nahezu ewig reifen können.
Brombeere, dunkel und saftig, dann Tabak, frisch geröstete Kaffeebohne und ein kühler Hauch Wintergrün: Der Monte Bello 2019 duftet wie ein Waldspaziergang, der in einer Rösterei endet. Am Gaumen wartet konzentrierte Pflaume, gehalten von satt ummantelten Tanninen. Die Säure ist fest und wach, sie trägt alles. Eichenwürze schiebt sich dazwischen, und ganz am Schluss, wenn das Glas längst wieder steht, bleibt Lakritz. Ich mag, wie viel hier passiert, ohne dass etwas drängelt. Strukturiert und opulent zugleich, so beschreibt Ridge Vineyards den eigenen Rotwein, und das trifft es. Woher diese Spannung kommt? Von ganz oben. Die Reben stehen in den Santa Cruz Mountains auf 400 bis gut 800 Metern, nur rund 24 Kilometer vom Pazifik entfernt, über verwitterndem Kalkstein. Kühler wächst Cabernet in Kalifornien nirgends. 1886 wurden hier die ersten Stöcke gepflanzt, 1962 kam der erste Ridge Monte Bello, und der 1971er gewann 2006 die Neuauflage des Judgment of Paris. 2019 brachte einen regenreichen Winter und einen langen, warmen Sommer, der alles in Ruhe ausreifen ließ. In Blindproben fügte das Team 41 getrennte Partien zusammen, so viele wie nie zuvor. Cabernet Sauvignon führt, Merlot, Petit Verdot und ein Tropfen Cabernet Franc begleiten. Das Weingut gibt ihm 25 bis 30 Jahre Genuss mit auf den Weg.