Der Ziereisen Spätburgunder Jaspis 10 hoch 4 Alte Reben aus dem exzellenten Jahrgang 2020 ist weniger ein Wein als vielmehr ein Statement. Für den anspruchsvollen Weinliebhaber repräsentiert er die Spitze dessen, was in Deutschland an Pinot Noir-Kultur möglich ist – ein Wein, der mit den großen Gewächsen Burgunds nicht nur konkurriert, sondern einen dezidiert eigenständigen, vom Kalk des Markgräflerlands geprägten Charakter offenbart. Schon der Name dieses Weines ist eine Deklaration, die es zu entschlüsseln gilt. Jaspis bezeichnet bei Hanspeter Ziereisen die absolute Spitzenlinie, Weine von besonderer Tiefe und Mineralität, deren Trauben auf kargen Jurakalkböden wachsen. Der Zusatz Alte Reben verweist auf das Alter der Rebstöcke, die tief wurzeln und naturgemäß geringere Erträge, dafür aber umso extraktreichere und komplexere Trauben hervorbringen. Die mystische anmutende Chiffre 10 hoch 4 schließlich steht für eine Pflanzdichte von 10.000 Stöcken pro Hektar, eine arbeitsintensive Methode, die man sonst fast nur in den Grand-Cru-Lagen der Côte d'Or findet. Diese Dichte forciert eine Wurzelkonkurrenz, die zu kleineren Beeren mit einer außergewöhnlichen Aromenkonzentration führt. Der Jahrgang 2020 war in Baden von warmen und trockenen Bedingungen geprägt, was zu gesunden, vollreifen Trauben mit guter aromatischer Intensität führte. Die Herausforderung und Kunst für Winzer wie Ziereisen bestand darin, bei aller Reife die Finesse, Spannung und eine prägnante Säurestruktur zu bewahren – eine Disziplin, die er meisterhaft beherrscht. Das Bouquet zeigt sich scheu und verlangt Geduld und Luft. Mit der Zeit entfaltet sich ein vielschichtiges, tiefgründiges Aromenspiel. An vorderster Front stehen präzise, dunkle Kirsch- und rote Beerenfrüchte (Walderdbeere, Sauerkirsche), unterlegt von einer kühlen, steinigen Mineralität, die an nassen Kalkstein und Feuerstein erinnert. Sekundäraromen von Unterholz, Leder, einem Hauch Rauch und feinsten Gewürznoten (Wacholder, Nelke) zeugen vom langen Ausbau im Holz und der langen Maischestandzeit. Florale Noten von Veilchen und eine subtile ätherische Kräuterwürze verleihen zusätzliche Komplexität. Der erste Eindruck ist von einer seidigen und einer straffen, präzisen Struktur geprägt. Der Wein besitzt eine immense Dichte und Konzentration, ohne jemals schwer oder breit zu wirken. Die Frucht ist klar und pur, getragen von einem vibrierenden Säurenerv, der dem Wein Länge und ein beeindruckendes Rückgrat verleiht. Die Tannine sind von höchster Qualität: feinkörnig, griffig und perfekt integriert. Sie verleihen dem Wein eine edle Adstringenz und versprechen ein langes Reifepotenzial. Im Abgang zeigt sich die charakteristische salzige Mineralität der Jaspis-Linie, die schier endlos nachklingt.